Die Wurzeln von Wellness reichen weit zurück – bis in die frühen Zivilisationen. Im antiken Ägypten, Griechenland und Indien war die ganzheitliche Gesundheit eng mit der Natur und Spiritualität verbunden. Lange bevor die westliche Wissenschaft psychosomatische Zusammenhänge erkannte, betonte die traditionelle chinesische Medizin die Bedeutung von innerer Balance und Harmonie – was auch heute noch viele Wellness-Angebote charakterisiert.
Die Griechen bauten aufwendige öffentliche Bäder, um die therapeutische Wirkung von Wasser und Bewegung zu nutzen. Die Römer führten die Idee noch weiter und erhoben sie zu einer wahren Kunstform. Die berühmten Thermen dienten nicht nur zum Baden, sondern waren gleichzeitig auch Zentren für Bewegung, soziales Beisammensein, Heilung und Besinnung. Antike Spas boten Caldarien (heiße Bäder), Frigidarien (kalte Bäder) und Möglichkeiten zur Massage, und sie waren direkte Vorläufer der heutigen Luxus-Wellness-Angebote.
In ganz Europa und Asien wurden natürliche heiße Quellen zu Pilgerstätten. Einige Orte, wie die Städte Baden-Baden in Deutschland und Bath in England, wurden um heilende Gewässer herum gebaut und sogar nach ihnen benannt. Sie zogen Könige, Geistliche und normale Bürger auf der Suche nach Heilung und Wohlbefinden gleichermaßen an. Andere berühmte Kurorte sind Vichy in Frankreich und natürlich Spa in Belgien! An einigen Orten wurde die heilende Wirkung von Wasser und Quellen religiösen Aspekten zugeschrieben – wie z. B. das Wasser von Lourdes in Frankreich. Seine heilende Wirkung wird mit wiederholten Erscheinungen der Jungfrau Maria bei einem 14-jährigen Mädchen aus der Gegend im Jahr 1858 in Verbindung gebracht.
Im neunzehnten Jahrhundert nahm die Wellness-Bewegung eine eher klinische Wendung. Als Reaktion auf das Auftreten von Tuberkulose und anderen chronischen Krankheiten boten Sanatorien den Patienten frische Luft, nahrhaftes Essen und Ruhe. Besonders berühmte Beispiele befanden sich in Bergregionen wie den Schweizer Alpen. Der berühmte Schriftsteller Thomas Mann, dessen Geburtstag sich in diesem Juni zum 150. Mal jährt, ließ seinen Roman Der Zauberberg in einem solchen Sanatorium spielen und beschrieb dabei anschaulich die dortigen „Erholungskuren“ und die Bedeutung der frischen Luft. Diese Retreats dienten zwar medizinischen Zwecken, es ging dabei jedoch vor allem um körperliche und geistige Erholung in landschaftlich reizvoller Umgebung. In dieser Hinsicht können sie als unbewusste Vorläufer unserer heutigen Wellness-Resorts betrachtet werden.
In Dänemark ist Skodsborg das berühmteste Beispiel für diesen Trend. Es wurde im Jahr 1898 als Sanatorium eröffnet und führte Ideen der Physiotherapie und der heilenden Wirkung von Licht, Luft und Wasser ein, die in Dänemark zu dieser Zeit noch völlig neu waren. Heute ist Skodsborg noch immer auf einen gesunden Lebensstil spezialisiert – inzwischen als Wellness-Hotel und Sportzentrum.
Wellness ist heute nicht mehr nur in Kurorten zu finden. Stadthotels ohne Wasserflächen bieten Alternativen wie Yoga auf dem Dach, Meditationsanleitungen auf dem Zimmer und Beleuchtung im Tagesrhythmus. Und Retreats an abgelegenen Orten bieten digitalen Detox und ähnliche Angebote zum Abschalten und Entspannen an. Moderne Hotelbetriebe sind sich darüber im Klaren, dass viele ihrer Reisenden nicht einfach nur ein Bett buchen wollen. Sie wollen auch verwöhnt werden – und, was noch wichtiger ist: Sie wünschen ein Ambiente, das geistige Klarheit und Leistungssteigerung fördert.
Und das ist wahrscheinlich einer der wichtigsten Gründe dafür, dass auch Geschäftshotels auf den Trend reagieren, indem sie z. B. eine dem Schlaf förderliche Ausstattung zum Standard machen. Das Hotelzimmer ist nicht mehr nur ein passiver Übernachtungsort: Es ist zu einem aktiven Bestandteil von „Self-Care“ geworden. In diesem Teil der Juni-Ausgabe von Inner Circle beschäftigen wir uns näher mit diesen aktuellen Hoteltrends und ihrer Bedeutung für Badezimmer in Privatwohnungen.
Bei Wellness geht es nicht nur um Schönheit und Luxus. Viele der Aspekte des Wellness-Konzepts haben ihre Wurzeln in der Wissenschaft. Untersuchungen deuten immer wieder darauf hin, dass Wellness-Praktiken wie Hydrotherapie, Massage und Achtsamkeit den Cortisolspiegel senken, den Schlaf verbessern, gut für das Immunsystem sind und unsere Stimmung heben. Schon ein kurzer Aufenthalt in einer Umgebung, die sich auf Ruhe und Fürsorge konzentriert, kann sich positiv auf unser körperliches und geistiges Wohlbefinden auswirken.
In einer Welt voller Lärm und Tempo bietet Wellness eine willkommene Ruhepause. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich das Ganze in einer heißen Quelle in den Alpen oder im Spa eines Stadthotels abspielt. Moderne Wellness-Erlebnisse knüpfen an uralte Praktiken an und führen die Tradition der Selbstfürsorge, auch als „Self-Care“ bekannt, weiter.